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Das k(l)eine Opfer der Besserverdienenden

16. Juli 2010 1 Kommentar

Heute stürzen sich viele Medien auf diesen Bericht der Süddeutschen Zeitung:

Sparpaket der Bundesregierung: Kein Elterngeld für Mini-Jobber

Wie ich finde, völlig zu Recht – also das drauf stürzen, nicht das streichen. Das Geschrei kann bei solchen Plänen meiner Meinung nach gar nicht laut genug sein.

Interessant allerdings, wie andere die Meldung aufgreifen. Bild.de zum Beispiel:

Grund für die Kürzung: Im Sparpaket der Bundesregierung ist vorgesehen, bis 2014 beim Elterngeld insgesamt rund 600 Millionen Euro pro Jahr zu sparen. Allerdings müssen Besserverdiener weitaus geringere Einschnitte fürchten.

Die Regierung will bei Nettoeinkommen von monatlich mehr als 1240 Euro etwa 155 Millionen Euro durch ein niedrigeres Elterngeld sparen. Fast dreimal so hoch sind die Kürzungen dem Bericht zufolge bei den ärmeren Familien – sie summieren sich auf 440 Millionen Euro.

Oder Spiegel online:

Aus dem Referentenentwurf von Familienministerin Kristina Schröder gehe hervor, dass die schwarz-gelbe Koalition den Beziehern höherer Einkommen deutlich weniger zumute als den ärmsten Eltern. So wolle die Regierung etwa 155 Millionen Euro durch ein niedrigeres Elterngeld bei Nettoeinkommen von mehr als 1240 Euro im Monat sparen. Fast dreimal so hoch seien die Kürzungen bei den ärmeren Familien – sie summieren sich auf 440 Millionen Euro.

Gehört man ab 1240 Euro netto monatlich in Deutschland schon zu den „Besserverdienenden“ oder das sich „Bezieher höherer Einkommen“ schimpfen? Dabei steht’s doch explizit und differenziert in der Meldung der Süddeutschen:

Nicht gekürzt wird dagegen bei Personen mit einem Nettoeinkommen von mehr als 2770 Euro. Sie erhalten weiter den Höchstbetrag an Elterngeld in Höhe von 1800 Euro. Denn für sie wirkt es sich nicht negativ aus, wenn es von 2011 an nur noch 65 statt 67 Prozent des letzten Nettolohnes als Elterngeld gibt, wie es Schröder plant.

Oder, wie es bei Zeit online etwas pointierter kommentiert wird:

Was das Schröder’sche Ministerium hier verfolgt, ist Klientelpolitik in ihrer reinsten Form. Sie entlarvt sich schon an den blanken Zahlen: Den Ministeriumsplänen zufolge sollen in Sachen Elterngeld rund 440 Millionen Euro bei den Ärmsten gespart werden, 155 Millionen Euro bei Gering- und Normalverdienen – und exakt Null Euro bei Besondersgutverdienern.

Dagegen hat sich Frau Schröder noch vor einem Monat nämlich verwehrt. Man muss nur wissen, wie man es umschreibt, um aus keinem Opfer der Besserverdienenden zumindest ein kleines Opfer der Besserverdienenden zu machen – wenn man es denn will, Bild und Spiegel…

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Meine persönliche WM-Bilanz

Zumindest für Deutschland ist sie seit gestern vorbei, die FIFA-WM 2010 in Südafrika. Und was blieb hängen von der ersten Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika? Meine persönliche Bilanz:

Vergesst Shakira, die Parlotones und K’naan: Der Sound dieser WM war es das monotone Geräusch der Vuvuzelas! Was ist da nicht für ein Geschrei drum gemacht worden. Tötet die Stadionatmosphäre sagten die einen. Afrikanische Eigenart antworteten die anderen. Ich hatte mich schnell daran gewöhnt, dass Live-Übertragungen so klingen, als fiele gerade ein Schwarm wilder Bienen in mein Wohnzimmer ein. War mir nachher sogar irgendwie sympathisch, aber wird mir trotzdem nicht fehlen.

Platz 3 für Deutschland, schon wieder. Und vollkommen verdient: Die Mannschaft hat gezeigt, dass schöner Fußball und erfolgreicher Fußball sich nicht ausschließen müssen. Das kleine Finale abschaffen, wie Günter Netzer es nach dem Spiel gefordert hat? Nix da: Wenn man schon nicht Weltmeister wird, sollte man sich wenigstens mit einem Sieg aus dem Turnier verabschieden.

Apropos Günter Netzer: Seinen Abschied als ARD-Experte gestern Abend fand ich irgendwie ergreifend. Er wird mir fehlen mit seiner trockenen und nur oberflächlich humorfreien Art, die Spiele zu analysieren. Auch wenn das Rumgezicke mit Gerhard Delling schonmal weniger angestrengt und kokettierend wirkte als in den letzten paar Wochen. Mal gucken, ob Mehmet Scholl als Nachfolge-Experte in Sachen Fachwissen und Beliebtheit an Herrn Netzer anknüpfen kann.

Apropos Beliebtheit: Da musste das Oktopus-Orakel aus Oberhausen ja feststellen, wie schnell es damit vorbei sein kann. Alles war gut, so lange Krake Paul Deutschland als Sieger vorhersagte. Einmal auf den Gegner getippt, und schon wird mit der Pfanne gedroht – als hätte Paul statt Puyol das Tor gegen Deutschland geköpft. Merke: Wer Recht hat ist nur dann gut angesehen, wenn die Prognosen oder Analysen auch den Erwartungen und Hoffnungen der Mehrheit entsprechen.

Deshalb ist „Pulpo Paul“ ja auch so beliebt auf der iberischen Halbinsel: Fürs Endspiel hat er Spanien als Sieger getippt. Mal gucken ob er auch diesmal richtig liegt. Ich tippe, dass das große Finale nicht so munterer Fußball mit offenem Visier wird wie das kleine (ja, ok, dafür muss man nun wirklich kein Fußball-Experte sein), und überlege mir bis zum Anpfiff noch, wem ich denn nun die Daumen drücken soll.

Einen Titel scheint Deutschland jedenfalls gewonnen zu haben: den Firefox-Cup, die Browser-Version der Fähnchen am Auto. Abgerechnet wird zwar erst zum Turnierende, aber bei dieser Firefox-Personas-WM liegt die Bundesrepublik so weit vorne, es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn sich den Pokal jemand anders holt.

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